Vielleicht hast du schon gehört, dass Lithium nicht nur in Akkus steckt, sondern auch in unserem Trinkwasser und Mineralwasser vorkommt. In den vergangenen Jahren hat das unscheinbare Metall viel Aufmerksamkeit erhalten: Medien berichteten über Studien, die von positiven Effekten auf Stimmung und Gehirngesundheit sprechen. Andere warnen vor möglichen Risiken. Dieser Beitrag führt dich behutsam in das Thema ein, erklärt, was wissenschaftlich gesichert ist und wo derzeit noch mehr Fragen als Antworten existieren.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Lithium?
Lithium ist ein silbrig glänzendes Metall aus der Gruppe der Alkalimetalle. In der Natur kommt es nur in gebundener Form vor, etwa in Gesteinen, Salzablagerungen und Thermalquellen. Trotz seiner geringen Konzentration übernimmt es in biologischen Systemen eine Reihe von Funktionen und interagiert mit Botenstoffen im Gehirn. Interessant ist, dass Lithium als Ultraspurenelement in Lymphknoten, Organen und im Gehirn nachweisbar ist.
Wie kommt Lithium ins Mineralwasser oder Trinkwasser?
Wasser trinken ist lebenswichtig, das wissen wir alle. Hier bei uns erfährst du auch, welche Trinkmenge am Tag ideal ist.
Doch Wasser ist nicht gleich Wasser. Die Entstehung beginnt tief unter der Erde: Regenwasser sickert durch Gesteinsschichten und löst dabei Mineralien, darunter Lithium. Je nach geologischer Beschaffenheit lösen sich mehr oder weniger Ionen aus dem Gestein. So erklärt sich, warum einige Regionen einen höheren natürlichen Lithiumgehalt im Grundwasser aufweisen als andere.
Bei Mineral- und Heilwässern trägt auch die Tiefe der Quelle und die geologische Zusammensetzung zur Konzentration bei. Deshalb unterscheiden sich auch verschiedene Quellen desselben Herstellers, wie die Werte der Gerolsteiner-Wässer zeigen (0,024–0,45 mg/L).
Lithium: Medikamente (hochdosiert) vs. Wasser (niedrigdosiert)
Wenn Ärzte Lithium verschreiben, geht es meist um sehr viel höhere Dosen als die Spuren im Wasser. Zur Behandlung von bipolaren Störungen werden Lithiumsalze wie Lithiumcarbonat eingesetzt, um einen therapeutischen Blutspiegel von 0,8–1,2 mmol/L zu erreichen. Dafür sind Dosen von etwa 400–800 mg Lithiumcarbonat pro Tag notwendig. Solche Mengen müssen engmaschig überwacht werden, weil die Grenze zwischen wirksam und giftig schmal ist.
Das Lithium in Mineralwasser ist dagegen mikrodosiert: typische Werte liegen zwischen 0,02 und 0,5 mg pro Liter. Selbst einige der lithiumreichsten Heilwässer bringen es „nur“ auf wenige Milligramm pro Liter. Bei einem Glas (0,2 L) nimmt man also lediglich Mikro- bis Milligramm-Mengen auf. Diese Konzentrationen liegen tausendfach unter den therapeutischen Dosen. Ob solche geringen Mengen eine spürbare Wirkung haben können, wird intensiv diskutiert – dazu später mehr.
Mögliche Vorteile von Lithium im Mineralwasser
Bevor wir die potenziellen Vorteile beleuchten, ist es wichtig, realistisch zu bleiben: Die meisten positiven Meldungen stammen aus Beobachtungsstudien oder kleinen klinischen Versuchen. Sie zeigen interessante Zusammenhänge, beweisen jedoch noch keinen eindeutigen Nutzen für alle Menschen. Halte das im Hinterkopf, wenn du die folgenden Abschnitte liest.

Auswirkung auf Stimmung und Wohlbefinden
In Österreich wurden Tausende Trinkwasserproben analysiert und mit den Suizidraten in den jeweiligen Bezirken verglichen. Das Ergebnis: Bezirke mit höherem Lithiumgehalt im Wasser wiesen niedrigere Suizidraten auf. Auch ältere japanische und US‑Studien kamen zu ähnlichen Befunden. Diese Korrelation blieb bestehen, selbst wenn Faktoren wie Einkommen und die Verfügbarkeit psychiatrischer Versorgung berücksichtigt wurden.
Allerdings weist die Studienleitung darauf hin, dass die therapeutische Lithiumdosierung etwa hundertmal höher ist als die natürlichen Konzentrationen im Wasser. Es bleibt offen, ob die geringe Menge im Trinkwasser tatsächlich ursächlich ist oder ob andere Faktoren eine Rolle spielen. Hier solltest du skeptisch bleiben – ein klarer Beweis, dass Lithiumwasser die Stimmung hebt, existiert nicht.
Unterstützung der Gehirngesundheit
Tierexperimente und kleine klinische Studien deuten darauf hin, dass Lithium auf Zellebene neuroprotektive Mechanismen aktiviert. Es erhöht die Produktion des neurotrophen Faktors BDNF, hemmt das Enzym GSK‑3β und wirkt entzündungshemmend. In einer brasilianischen Pilotstudie erhielten Patientinnen und Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung 150–600 µg Lithium pro Tag. Nach zwölf Monaten zeigte sich ein leichter Rückgang des Alzheimer-Markers P‑Tau und Verbesserungen in kognitiven Tests.
Diese Dosis ist noch immer deutlich niedriger als bei der medikamentösen Therapie, aber deutlich höher als die Mengen in üblichen Mineralwässern. Daher lässt sich aus solchen Studien wenig über die Wirkung von Mineralwasser ableiten. Trotzdem regen sie an, weiter zu forschen.
Potenzielle neuroprotektive Effekte
Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 untersuchte fünf Studien zu Lithiumspuren im Trinkwasser und dem Risiko für Demenz. Sie fand Hinweise, dass Konzentrationen zwischen 0,002 und 0,056 mg/L mit einem geringeren Demenzrisiko assoziiert sind. Bei noch niedrigeren Werten (<0,002 mg/L) zeigte sich dieser Effekt nicht
Die Autorinnen halten fest, dass langfristige Exposition mit sehr niedrigen Dosen möglicherweise ausreicht, aber klinische Studien fehlen. Auch ein Zusammenhang zwischen erhöhtem Lithiumgehalt im Trinkwasser und einer höheren Lebenserwartung wurde in Beobachtungsstudien beschrieben. Solche Ergebnisse sind spannend, aber sie erklären nicht, ob Mineralwasser dein Risiko verringert. Schließlich bleibt unklar, wie viel du über Getränke tatsächlich aufnimmst und wie diese Menge in dein Gehirn gelangt.
Was sagt die Wissenschaft?
Beim Blick in die wissenschaftliche Literatur trifft man auf eine Mischung aus Hoffnungen, Hypothesen und harten Fakten. Zahlreiche Beobachtungsstudien berichten von positiven Zusammenhängen, doch die Datenlage ist komplex.
Beobachtungsstudien zu Regionen mit höherem Lithiumgehalt im Trinkwasser
Die dänische Registerstudie, die über 28 Jahre hinweg den Lithiumgehalt im Trinkwasser und die Demenzhäufigkeit untersuchte, fand einen nicht‑linearen Zusammenhang: Bei moderaten Konzentrationen (5,1–10 µg/L) traten Demenzen häufiger auf, während sehr niedrige (<5 µg/L) oder höhere Werte (>15 µg/L) mit geringerer Demenzrate assoziiert waren. Auch hier wird klar: Es gibt keine einfache „je mehr, desto besser“-Regel.
Für die Suizidrate gibt es robustere Daten. Die österreichische Studie mit 6.460 Trinkwasserproben zeigte, dass Bezirke mit höheren Lithiumwerten im Wasser niedrigere Suizidraten aufwiesen. Wissenschaftler warnen jedoch vor voreiligen Schlüssen. Sie betonen, dass klinische Studien und methodisch aufwendige Kohortenstudien notwendig sind, bevor man die Beimengung von Lithium zum Trinkwasser als Präventionsstrategie diskutieren kann.
Wirkt Lithium im Wasser gegen Depressionen?
Die suizidprotektiven Beobachtungen werden oft als Hinweis interpretiert, dass Lithium im Wasser als natürliches Antidepressivum wirken könne. Hier lohnt sich ein kritischer Blick: Zwar ist Lithium ein etablierter Stimmungsstabilisierer in der Medizin, doch die therapeutischen Dosen liegen viel höher.
Die im Wasser vorkommenden Mikrogramm‑Mengen sind im Vergleich dazu winzig. Es gibt keine randomisierten Studien, in denen Personen über längere Zeit lithiumreiches Wasser trinken und mit einer Kontrollgruppe verglichen werden. Deshalb lässt sich nicht sagen, dass Lithiumwasser Depressionen verhindert.
Gleichzeitig sprechen Experten davon, dass Lithium bereits in natürlichen Mengen messbare Effekte haben könnte. Bleibe also offen für neue Forschungsergebnisse, aber erwarte keine Wunder.
Was ist gut belegt, was nicht?
Gut belegt: Die therapeutische Wirkung von Lithium in Form von Medikamenten bei bipolaren Störungen, Manien und rezidivierenden Depressionen gilt als gesichert. Hier sind hohe Dosen erforderlich, die unter ärztlicher Kontrolle verabreicht werden müssen. Ebenfalls gut belegt ist die Korrelation zwischen höheren Lithiumgehalten im Trinkwasser und einer geringeren Suizidrate.
Unsicher: Es gibt Hinweise auf neuroprotektive Effekte von Mikro- oder Niedrigdosen bei Alzheimer und leichter kognitiver Beeinträchtigung. Die Datenlage ist aber begrenzt und teils widersprüchlich. Auch der Zusammenhang zwischen Lithium im Wasser und dem Risiko für Demenz ist nicht eindeutig: Einige Studien sehen Vorteile bei gewissen Konzentrationen, andere zeigen nur in bestimmten Untergruppen Effekte.
Hype und offene Fragen: Medienberichte, die Lithium im Wasser als „natürliches Antidepressivum“ feiern, übertreiben. Ebenso ist eine Studie aus 2023/24, die einen Zusammenhang zwischen höheren Lithiumkonzentrationen im Leitungswasser und einem erhöhten Autismusrisiko bei Kindern fand, noch nicht abschließend bewertet. Kritikpunkte waren unter anderem fehlende Daten zur tatsächlichen Aufnahme der Mütter sowie regionale Diagnosestatistiken. Diese gegensätzlichen Meldungen zeigen, dass die Wirkung von Lithium auf die Gesundheit komplex ist und noch viele Fragen offen sind.
Welches Wasser enthält viel Lithium?
Der Lithiumgehalt ist stark von der Herkunft des Wassers abhängig. In Ländern ohne Grenzwerte, darunter Deutschland, wird Lithium im Trinkwasser selten systematisch gemessen. Schätzungen für München liegen bei 1–2 µg/L, in dänischen Regionen schwankt er zwischen 0,6 und 30 µg/L.
Lithium im Trinkwasser: Regionale Unterschiede
Die Natur bestimmt die Lithiumkonzentration im Grundwasser. In vulkanisch geprägten Gegenden oder bei tiefen Quellen können die Werte höher ausfallen. Dänemark zeigt eine Spannbreite von 0,6 bis 30 µg/L. Auch innerhalb Deutschlands gibt es Unterschiede: In manchen Regionen können regionale Quellen wie Selters oder kurstädtische Heilquellen spürbare Mengen enthalten, während in anderen Gebieten nahezu keine Spuren nachweisbar sind.
Mineralwasser mit viel Lithium
Viele in Deutschland erhältliche Mineral- und Heilwässer weisen nur Spuren von Lithium auf. Einige wenige stechen jedoch hervor:
- Bad Mergentheimer Albertquelle – mit etwa 11,8 mg/L Lithium einer der höchsten Werte.
- Bad Mergentheimer Karlsquelle – rund 4,9 mg/L.
- Staatl. Bad Kissinger Rakoczy-Quelle – circa 5,0 mg/L.
- Rogaska Donat Mg (Slowenien) – 3,3 mg/L.
- Preblauer Sunshine – ungefähr 1,4 mg/L.
- Hirschquelle Heilwasser – etwa 1,31 mg/L.
- Bad Mergentheimer Wilhelmsquelle – 1,3 mg/L.
- Bad Liebenzeller Paracelsusquelle II – 1,21 mg/L; Paracelsusquelle I – 1,0 mg/L.
- Bad Vilbeler Römerbrunnen – rund 1,2 mg/L.
- Zurzacher Heilwasser – etwa 1,1 mg/L.
- Adelheidquelle – knapp 0,98 mg/L.
- Gerolsteiner Ursprung – moderate 0,45 mg/L; die Sorten Sprudel, Medium und Feinperlig liegen bei 0,13 mg/L.
Diese Wässer sind teilweise als Heilwasser zugelassen und werden aus spezifischen Quellen gewonnen. Sie sind nicht immer im Supermarkt zu finden, sondern meist im Reformhaus oder bei regionalen Getränkeanbietern erhältlich. Wichtig: Heilwässer mit hohen Lithiumgehalten enthalten oft auch viel Natrium, Sulfat oder andere Mineralien. Prüfe daher die Gesamtzusammensetzung und konsultiere bei Vorerkrankungen deinen Arzt.
Heilwasser mit Lithium
Heilwasser ist streng reguliert und darf nur dann als solches bezeichnet werden, wenn es nachweislich eine physiologische Wirkung hat. Die oben genannten Quellen wie Bad Mergentheimer Albertquelle oder Rogaska Donat Mg gelten als Heilwässer. Sie werden häufig bei Verdauungsbeschwerden, Mineralstoffmangel oder Stoffwechselerkrankungen eingesetzt.
Die empfohlenen Trinkmengen liegen meist bei wenigen 100 ml pro Tag. Aufgrund der hohen Mineralisation sollten sie nicht als tägliches Wasserersatzgetränk dienen.
Gibt es Risiken?
Die im Mineralwasser enthaltenen Lithiumspuren gelten für gesunde Erwachsene als unbedenklich. Dennoch gibt es Punkte, die du beachten solltest:
- Therapeutische Lithiumpräparate können Nebenwirkungen verursachen. Dazu zählen Übelkeit, Zittern, Gewichts- und Schilddrüsenveränderungen sowie Nierenschäden. Diese Effekte treten bei den hochdosierten Arzneimitteln auf; regelmäßige Blutkontrollen sind Pflicht.
- Menschen mit Nieren- oder Schilddrüsenerkrankungen sollten hochmineralisierte Wässer – auch lithiumreiche – nur nach Rücksprache mit dem Arzt trinken.
- Schwangere und Stillende sollten generell Vorsicht walten lassen. Eine US‑Studie verknüpfte höhere Lithiumwerte im Leitungswasser mit einem erhöhten Autismusrisiko bei Kindern. Die Aussagekraft dieser Studie ist umstritten, trotzdem empfiehlt es sich, in der Schwangerschaft keine extrem lithiumreichen Wässer in größeren Mengen zu konsumieren.
- Einige Heilwässer enthalten neben Lithium auch viel Natrium, Sulfat oder Uran. Diese Stoffe können bei bestimmten Erkrankungen problematisch sein. Informiere dich über die Inhaltsstoffe und wähle das Wasser, das zu deinen Bedürfnissen passt.
In welchen Lebensmitteln ist Lithium enthalten?
Du nimmst Lithium vor allem über pflanzliche Lebensmittel und Getränke auf. Schokolade enthält ungefähr 42 µg pro 100 g, Milch rund 71 µg, Butter 100 µg und Eier etwa 167 µg. Getreideprodukte und Reis liefern jeweils um die 100 µg pro 100 g.
Gemüse wie Zwiebeln, Knoblauch, Zuckerrüben und Kartoffeln erreichen Werte zwischen 0,5 und 3,4 mg/kg. Fisch, Fleisch und Nüsse enthalten ebenfalls kleine Mengen. Insgesamt deckt eine normale Ernährung deinen Bedarf – selbst wenn der Tagesbedarf nicht genau definiert ist. Nach Schätzungen liegt die tägliche Aufnahme bei 0,65–3,1 mg für einen 70 kg schweren Erwachsenen.
Ist eine Nahrungsergänzung mit Lithium sinnvoll?
In Europa ist Lithium kein zugelassenes Nahrungsergänzungsmittel. Es darf nur als Arzneimittel verordnet werden. Einige Alternativmediziner propagieren die Einnahme von Lithiumorotat in Mikrodosen, doch diese Präparate sind in der EU nicht frei verkäuflich. Wissenschaftliche Belege für eine routinemäßige Supplementierung fehlen.
Wenn du überlegst, Lithium zu ergänzen, sprich zuerst mit deinem Hausarzt oder einer Fachärztin. Sie können einschätzen, ob dies in deinem Fall sinnvoll ist oder ob eventuelle Risiken überwiegen.
FAQ zum Thema Lithium im Mineralwasser
Zum Abschluss findest du kurze Antworten auf häufige Fragen. Die Angaben sollen dir einen Überblick verschaffen und ersetzen nicht die individuelle Beratung.